Die drei Ebenen der Wertschätzung

Wertschätzung im Team funktioniert anders als Selbstwertschätzung und anders als im System. Peter Gneuss erklärt die drei Ebenen und wo du ansetzt.

Luisa Welink
Community Managerin
Leitfaden
27.8.2026
|
4
Min

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Key Takeaways

  1. Wertschätzung wirkt auf drei Ebenen: bei dir selbst, in deinem Team und im System. Jede Ebene braucht einen eigenen Ansatz.
  2. Die Selbstebene ist die schwerste und gleichzeitig die, auf die du den größten Einfluss hast.
  3. Ein System kann keinen Einzelfall vorschreiben. Es kann Handlungsspielräume schaffen, in denen Führungskräfte wertschätzend entscheiden.

Wer das sagt und warum das zählt

Peter Gneuss hat 15 Jahre im öffentlichen Dienst gearbeitet, einen Teil davon als Marineoffizier auf See. Er kennt starre Systeme aus der Innenperspektive: den Einsatzbefehl, der den geplanten Urlaub überschreibt, und die Vorgesetzten, die trotzdem Wege gefunden haben. Heute führt er EHRENBEHÖRDE und spricht jede Woche mit Führungskräften aus Kommunen, Landesbehörden und Polizei. Sein Modell der drei Ebenen entstand nach einer Keynote bei einer Polizeiveranstaltung und wurde im Führungsmittwoch mit Luisa Welink zum ersten Mal ausformuliert.

"Deswegen fängt Wertschätzung beim Individuum an." Peter Gneuss

Wertschätzung im Team, in dir selbst und im System

Wertschätzung wirkt auf drei Ebenen, und jede folgt einer eigenen Logik. Als Führungskraft brauchst du für Wertschätzung im Team andere Werkzeuge als für Wertschätzung dir selbst gegenüber, und im System gelten wieder andere Regeln. Peter Gneuss nutzt dafür die Einteilung, mit der er auch über Führung spricht: Selbstführung, Teamführung, Systemführung.

Ebene 1: Du selbst. Hier geht es um die Fragen, die selten jemand stellt. Was bedeutet Wertschätzung für dich? Wie willst du wertgeschätzt werden? Wie wertschätzt du eigentlich andere? Ohne diese Antworten bleibt jede Maßnahme auf den anderen Ebenen geraten.

Ebene 2: Dein Team. Greifbar wird Wertschätzung hier an einer einzigen Frage: Fühlen sich die Menschen in deinem Bereich gesehen? Dazu gehört auch, wie du Dinge kommunizierst, die im Job notwendig sind. Die Notwendigkeit selbst kannst du oft nicht ändern, die Art der Ansage schon. Wie das im Verwaltungsalltag aussieht, beschreibt Fachbereichsleiterin Julia Rose in ihren drei Kompetenzen für Führungskräfte in der Verwaltung.

Ebene 3: Das System. Hier entscheidet die Organisation, welche Wertschätzung überhaupt möglich ist. Ausstattung, Vertrauen, Planbarkeit, Handlungsspielräume.

Die drei Ebenen hängen zusammen, weil ein System aus Teams besteht und Teams aus einzelnen Menschen. Wer in einer Behörde Wertschätzung etablieren will, arbeitet deshalb an allen drei Ebenen.

Warum fängt Wertschätzung bei dir selbst an?

Weil du nur weitergeben kannst, was du selbst kennst. Wer nie erlebt hat, dass gute Arbeit benannt wird, hält das Ausbleiben von Kritik für Wertschätzung genug und gibt genau das an das eigene Team weiter. Deshalb ist die Selbstebene der Startpunkt.

Peter erzählt dazu einen Moment aus der Woche. Jemand aus dem Team meldet sich abends, fühlt sich krank, fragt nach dem nächsten Tag. Sein Reflex als Führungskraft kam sofort: wer krank ist, arbeitet nicht, schlaf erst mal.

"Das würdest du zu dir nie sagen." Peter Gneuss

Wie viel Einfluss hast du als Führungskraft auf das System?

Mehr, als es sich anfühlt. Als Führungskraft gehörst du zum Team und zum System gleichzeitig, und in dieser Doppelrolle liegt der Hebel. Der Einfluss ist da, du musst ihn herstellen.

Wie hart die Systemebene wirkt, zeigt ein Kommentar aus der Community, den Luisa in der Folge vorliest. Gewünscht werden dort kein Misstrauensvotum beim Homeoffice, eine ordentliche Arbeitsausstattung und Wertschätzung durch Land und Bund. Stattdessen erlebt der Kommentierende, dass die wenigen Vorzüge des Berufsstands öffentlich in Frage gestellt werden. Peter ergänzt aus einem Workshop: Klimaanlage funktioniert nicht, kaltes Wasser in den Duschen, Schmirgelpapier als Toilettenpapier. Und dann steht Wertschätzung auf der Agenda.

Ein System kann keinen Einzelfall vorsehen. Es kann Räume schaffen, in denen Menschen richtig entscheiden. Peter erzählt von einem Kommandanten, der mitten im Mittelmeer das Schiff umdrehte, als eine Soldatin Mitte 20 erfuhr, dass ihr Vater im Sterben lag. Boot an Land, Flug organisiert, Abholung am Flughafen. Vorgesehen war das nicht. Möglich war es trotzdem, weil eine Führungskraft die Grenzen des Systems kannte.

"Auch das ist Wertschätzung." Peter Gneuss

Das funktioniert auch im Kleinen. Wenn die Arbeit erledigt ist, die Abfahrtszeit aber feststeht, heißt der Rest des Vormittags eben Selbst- und Materialpflege. Genau hier liegt die Gefahr der Überregulierung: Wo jede Handlung bis ins Detail geregelt ist, verschwindet der Spielraum, und mit ihm die Möglichkeit, wertschätzend zu entscheiden. Peter fragt deshalb bei jeder Regel, ob sie eine Ampel braucht oder ein Kreisverkehr genügt. Wie schnell aus einem gut gemeinten Ritual eine leere Pflicht wird, zeigt sich auch daran, dass Mitarbeitergespräche in Behörden oft zur Pflicht-Übung verkommen.

Was das praktisch bedeutet

  • Beantworte für dich zuerst die drei Selbstfragen: Was ist Wertschätzung für mich, wie will ich sie bekommen, wie gebe ich sie weiter?
  • Prüfe die Regeln in deinem Bereich darauf, wo sie Spielraum lassen, und nutze diesen Spielraum bewusst statt zufällig.
  • Trenne im Team zwischen den Notwendigkeiten des Jobs und der Art, wie du sie ansagst. Die Ansage entscheidet, ob eine harte Nachricht wertschätzend ankommt.

Häufige Fragen

Was sind die drei Ebenen der Wertschätzung?
Selbstwertschätzung, Wertschätzung im Team und Wertschätzung im System. Peter Gneuss überträgt dafür die Einteilung, mit der er über Führung spricht: Selbstführung, Teamführung, Systemführung. Jede Ebene braucht eigene Ansätze, alle drei hängen zusammen.

Wie zeige ich als Führungskraft Wertschätzung im Team?
Indem du dafür sorgst, dass Menschen sich gesehen fühlen, und indem du auf die Art achtest, wie du notwendige Entscheidungen ansagst. Dazu kommt, die Spielräume im System zu nutzen, die dir offenstehen.

Warum fängt Wertschätzung bei einem selbst an?
Weil Systeme und Teams aus einzelnen Menschen bestehen. Wer selbst nie erlebt hat, wie Wertschätzung geht, kann sie im eigenen Bereich schwer etablieren. Deshalb steht am Anfang die Frage, was Wertschätzung für dich selbst bedeutet.

Die ganze Folge anhören

Die drei Ebenen der Wertschätzung diskutieren Peter Gneuss und Luisa Welink im Führungsmittwoch bei EHRENBEHÖRDE. Die ganze Folge gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.

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