Wie Innovation in die Verwaltung kommt

Jeannette Gusko (SPRIND) erklärt, wie Innovation in der Verwaltung gelingt und wie "Deutschland, was geht" Bürgerbeteiligung in echte Lösungen verwandelt.

Luisa Welink
Community Managerin
Interview
17.8.2026
|
5
Min

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Key Takeaways

  1. Innovation in der Verwaltung scheitert selten an Ideen, sondern daran, dass Beteiligung nicht in Umsetzung mündet. Genau dort setzt die Mission "Deutschland, was geht" von SPRIND und Digitalministerium an.
  2. Fast 28.000 Menschen haben eingereicht, wo sie im Alltag an der Verwaltung scheitern. Daraus wurden 14 Problemfelder, für die jetzt Teams Lösungen bauen, mit bis zu 25.000 Euro Startfinanzierung.
  3. Veränderungsbereitschaft entsteht nicht bei allen gleichzeitig: Wer Innovation vorantreiben will, sucht zuerst die Menschen, die mit dem Status quo nicht zufrieden sind, und holt Veränderungsexpertise bewusst ins Team.

Wer das sagt und warum das zählt

Jeannette Gusko leitet die Digitale Beteiligung bei der SPRIND, der Bundesagentur für Sprunginnovationen. Mit "Deutschland, was geht", einer gemeinsamen Mission von SPRIND und dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, hat sie den ersten bundesweiten Bürger-Hackathon mit aufgebaut. Im Ehrenbehörde-Podcast erklärt sie, wie aus Bürgerfrust konkrete Verwaltungslösungen werden und warum der Zeitpunkt für Innovation in der Verwaltung besser ist als die Stimmung im Land.

"Verwaltung ist, wo du den Staat spürst." Jeannette Gusko

Was ist "Deutschland, was geht"?

"Deutschland, was geht" ist ein Bürger-Hackathon für die Staatsmodernisierung: Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Verwaltungsmitarbeitende benennen, wo es hakt, und Teams aus Technologie, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft bauen daraus echte Lösungen für die Bundesverwaltung. Fast 28.000 Menschen haben in der Einreichungsphase Hinweise gegeben, mit der Abstimmungsphase waren nach Guskos Angaben über 30.000 Menschen beteiligt. Mit dem Rückhalt der fachlich zuständigen Bundesministerien wurden daraus 14 Problemfelder destilliert, von "Straßenverkehr intelligent steuern" über "öffentliche Ausschreibungen vereinfachen" bis zu "Verwaltung als Service statt Kontrolle". Das Format orientiert sich an Vorbildern wie Taiwan, wo digitale Bürgerbeteiligung das Vertrauen in öffentliche Institutionen gestärkt hat.

Wie schafft man Innovation in der Verwaltung?

Guskos Antwort: indem man die Wahrscheinlichkeit für Umsetzung erhöht, statt auf gute Ideen allein zu hoffen. Deutschland sei in der Grundlagenforschung in vielen Feldern weiter unter den Top 3 bis Top 5 weltweit. Was fehle, sei die Brücke über das "Tal des Todes", also die Phase, in der Kapital oder der Zugang zu Institutionen fehlt, um aus einer Idee eine skalierte Lösung zu machen. Die SPRIND definiert Sprunginnovation dabei ambitioniert: Eine Lösung soll innerhalb von fünf bis acht Jahren das Leben von mindestens einer Million Menschen maßgeblich verbessern und dem Staat helfen, eine Leistung rund eine Milliarde Euro effizienter anzubieten.

Der Veränderungsdruck ist real: Gusko verweist auf eine 2024 veröffentlichte Studie, nach der die überbordende Bürokratie den deutschen Staat im Vergleich zu Schweden jedes Jahr 146 Milliarden Euro an volkswirtschaftlicher Leistung kostet, bei gleichem Niveau der Verwaltungsleistungen.

Wie überzeugt man Menschen, die Veränderung scheuen?

Nicht alle auf einmal überzeugen wollen, sondern zuerst die richtigen finden. Widerstand gegen Neues basiert laut Gusko auf der Annahme, der Status quo sei die bestmögliche Variante, oder zumindest sei seine Stabilität wichtiger als eine mögliche Verbesserung. Innovation beginnt deshalb bei den Menschen, die mit der Gegenwart nicht zufrieden sind und Lust auf Zukunft haben. Für "Deutschland, was geht" bedeutet das konkret: Die Ausschreibung fordert Teams auf, Menschen mit Verwaltungsexpertise, Organisationsentwicklung und psychologischem Know-how einzubinden, also genau die Kompetenzen, die Veränderungsprozesse durch die Hürden tragen.

Das deckt sich mit der Erfahrung aus der Ehrenbehörde-Community: Innovation setzt sich in Behörden oft als Graswurzelbewegung durch. Einzelne Motivierte finden Gleichgesinnte, die Themen wachsen von unten, bis höhere Ebenen sie aufgreifen.

"Innovation beginnt im Kleinen, Innovation ist hart." Peter, EHRENBEHÖRDE

Wie läuft die Bewerbung ab?

Teams, Einzelpersonen, Unternehmen, Vereine und Studierendenteams können sich bis zum 20. August 2026 über die SPRIND-Website bewerben. Abgefragt werden vier Kriterien: Was macht die Innovation einzigartig, wie soll sie umgesetzt werden, wer steht im Team dahinter, und wie gut lässt sich die Lösung in die Verwaltung integrieren. Bis zu 20 Teams erhalten je bis zu 25.000 Euro für eine dreimonatige Prototypen-Phase mit Mentoring. Ende des Jahres entscheidet eine Jury, ausgewählte Teams pitchen vor Digitalminister Karsten Wildberger, und bis zu fünf Teams erhalten weitere 100.000 Euro, um ihre Prototypen 2027 in der Bundesverwaltung zu testen und zu verankern.

Was das praktisch bedeutet

  • Wer eine konkrete Lösungsidee für eines der 14 Problemfelder hat, kann sich noch bis zum 20. August 2026 auf sprind.org bewerben, auch als Einzelperson oder Studierendenteam.
  • Behördenmenschen mit Veränderungs- und Verwaltungsexpertise sind für die Teams gefragt: Genau diese Kompetenz entscheidet laut Gusko darüber, ob Lösungen in der Verwaltung ankommen.
  • Wer nicht am Wettbewerb teilnimmt, kann das Prinzip trotzdem nutzen: Verbündete suchen, klein anfangen, sichtbar machen. Innovation in Behörden wächst als Graswurzelbewegung.

Häufige Fragen

Wer kann sich bei "Deutschland, was geht" bewerben?
Teams, Einzelpersonen, Unternehmen, Vereine und Studierendenteams. Die Bewerbung läuft bis zum 20. August 2026 online über die SPRIND-Website, Details stehen in der Ausschreibung.

Was bekommen die ausgewählten Teams?
Bis zu 20 Teams erhalten je bis zu 25.000 Euro für eine dreimonatige Prototypen-Phase mit Mentoring. Bis zu fünf Finalisten-Teams bekommen danach weitere 100.000 Euro und die Chance, ihre Lösung in der Bundesverwaltung zu verankern.

Was ist eine Sprunginnovation?
Nach der Definition der SPRIND eine Innovation, die innerhalb von fünf bis acht Jahren das Leben von mindestens einer Million Menschen maßgeblich verbessert und staatliche Leistungen um rund eine Milliarde Euro effizienter macht.

Welche Themen stehen zur Auswahl?
14 Problemfelder, die aus fast 28.000 Bürger-Einreichungen destilliert wurden, darunter Straßenverkehr intelligent steuern, öffentliche Ausschreibungen vereinfachen, Abschlüsse schneller anerkennen und Verwaltung als Service statt Kontrolle.

Die ganze Folge anhören

Das komplette Gespräch mit Jeannette Gusko gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.

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