Wenn Bund oder Land ein Gesetz beschließen, führt es die Kommune am Menschen aus. Warum dieses Verhältnis besser werden muss.

Julia Rose ist Volljuristin und Fachbereichsleiterin Bauen und Umwelt in einer niedersächsischen Landkreisverwaltung. Sie führt seit fast zehn Jahren Menschen im öffentlichen Dienst und hat im Live-Podcast bei Ehrenbehörde sieben Verwaltungsthemen mitgebracht, die sie ranken sollte. Auf Platz eins ihrer persönlichen Liste: das Verhältnis von Politik und Verwaltung.
"Wir in den Kommunen sind diejenigen, die die Gesetze von oben am Menschen ausführen. Wenn die Bürgerinnen nicht zufrieden sind, kriegen wir den Lack weg." Julia Rose
Politik und Verwaltung — wer macht was? In Deutschland trennt das Grundgesetz die Funktionen klar: Politik beschließt Gesetze auf Bundes- oder Landesebene, Verwaltung — also Kommunen, Landratsämter, Landesbehörden — führt sie aus. Im Idealfall arbeiten beide zusammen. In der Praxis entstehen viele Gesetze, ohne dass die ausführenden Stellen vorher gefragt wurden.
Was passiert, wenn die Trennung zu strikt wird: Die Verwaltungsmitarbeitenden bekommen Regeln, die in der Realität nicht funktionieren. Sie übersetzen, finden Workarounds, beruhigen frustrierte Bürgerinnen und Bürger. Politik liefert die Idee, Verwaltung trägt den Aufprall. Das ist nicht nachhaltig, weder für die Mitarbeitenden noch für das Vertrauen in den Staat.
Wo Rose ein Gegenbeispiel sieht: Das neue Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung unter Karsten Wildberger geht für sie einen anderen Weg. Sie beobachtet, dass aus dem Bund aktiv mit den Kommunen gesprochen wird, bevor Entscheidungen fallen. Konsultation statt Verkündung.
"Bei mir als Kommune kommt etwas aus dem Bund an. Es wird mit mir gesprochen, meine Meinung wird eingeholt." Julia Rose
Das Prinzip, das Rose auch beim Aufbau ihrer KI-Paten in der eigenen Behörde anwendet, gilt analog für das Verhältnis Politik–Verwaltung: Die Richtung kommt von oben, die konkreten Lösungen entstehen vor Ort. Wer das ernst nimmt, braucht zwei Dinge. Erstens: Mandat von der politischen Ebene, dass Verwaltungsmitarbeitende ihre Praxiseinsicht aktiv einbringen dürfen. Zweitens: Strukturen, die diese Einbringung möglich machen — Konsultationen, Praxischecks, geregelte Feedbackschleifen vor Gesetzesfinalisierungen.
Wer hat dieses Thema benannt?
Julia Rose, Volljuristin und Fachbereichsleiterin Bauen und Umwelt in einer niedersächsischen Landkreisverwaltung. In ihrer Tier-List der sieben wichtigsten Verwaltungsthemen landete das Verhältnis von Politik und Verwaltung auf Platz 1.
Warum ist das wichtiger als zum Beispiel Digitalisierung oder Fachkräftemangel?
Weil ohne ein abgestimmtes Zusammenspiel Gesetze entstehen, die in der Praxis nicht funktionieren. Selbst die beste Digitalisierungsstrategie scheitert, wenn die ausführende Verwaltung nicht mitgedacht ist.
Welche aktuellen Beispiele für gutes Zusammenspiel gibt's?
Rose nennt das Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung als positives Beispiel: aktive Kommunikation mit Kommunen vor Gesetzesfinalisierungen, eingeholte Stellungnahmen, weniger Top-Down-Diktat.
Was kann ich als Behördenmensch beitragen, wenn ich nicht in der Führungsetage sitze?
Politische Entscheider und Entscheiderinnen sind oft dankbar für konkrete Hinweise aus dem Vollzug. Praxisperspektive in jede Konsultation einbringen, ohne darauf zu warten, dass sie abgefragt wird. Schreiben, melden, im Gespräch bleiben.
Warum Politik und Verwaltung für Julia Rose das Top-Thema sind, hörst du im Live-Podcast bei Ehrenbehörde. Die ganze Folge gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.
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