Wagner formuliert im Gespräch klar, was ihn antreibt:
"Ich versuche, den Datenschutz in deutsche Behörden, in deutsche Unternehmen hineinzubringen und ihn nicht als Geißel der Menschheit zu verkaufen, sondern als, ja, es wird ein schlimmes Wort, Innovation. Weil der Datenschutz-Onkel oder der Datenschutz-Dieter nicht die Bremse der Geschäftsabläufe sein kann, sondern der Ermöglicher sein soll."
Sein Punkt: Wenn Datenschutz richtig eingebaut wird, profitieren am Ende alle. Behörden können neue Lösungen einführen, Bürgerinnen und Bürger sind geschützt. Die beiden Ziele schließen sich aus seiner Sicht nicht aus.
"Es geht. Es funktioniert. Auch in Deutschland und auch in Behörden. Ich habe es gesehen, mit eigenen Augen."
Im Verwaltungs-Alltag bedeutet das für Wagner: Datenschutz fungiert als Mittler. Er stoppt nicht den Einsatz neuer Technologie, sondern stellt sicher, dass dabei Spielregeln eingehalten werden.
"Egal ob digitale Souveränität, KI oder KI-Anwendungen, überall fungiert der Datenschutz als Mittler, der dann einfach versucht: Alles ist toll, alles ist super. Und der Datenschutz guckt einfach, ob ein paar Spielregeln eingehalten werden, und dann funktioniert das auch."
Im Bild: Der Datenschutz gibt die Sensibilität an die Hand. Er sagt nicht "macht es nicht", sondern "macht es so, dass es passt".
"Der Datenschutz gibt sozusagen einfach nur die Sensibilität an die Hand und sagt: Nehmt eure Daten nicht und publiziert sie in der Welt. Sondern nehmt eure Daten und achtet darauf, wie ihr sie habt."
Eine zentrale Beobachtung aus seiner Praxis: Häufig wird Datenschutz herausgezogen, wenn etwas eigentlich aus anderen Gründen nicht funktioniert.
"Datenschutz wird gerne zweckinstrumentalisiert, um von eigenem Organisationsverschulden abzulenken. Wenn man einfach sagt: 'Geht nicht wegen Datenschutz', denkt man nicht weiter. Und alle anderen sagen dann: 'Ja, natürlich, das ist ja Datenschutz, das kann ja gar nicht gehen.'"
Das Argument verselbstständigt sich, ohne dass jemand prüft, ob es überhaupt zutrifft.
Seine Antwort auf diese Realität ist nicht Härte, sondern Aufklärung.
"Meine Lebensaufgabe ist es, den Leuten zu erzählen: Es geht doch, es funktioniert. Es funktioniert in Deutschland, es funktioniert in Unternehmen, und es kann auch in Behörden. Darüber reden und sensibilisieren. Das ist die große Aufgabe eines jeden Datenschutzbeauftragten oder jemanden, der sich mit der Thematik befasst. Geh in die Linie und erzähle den Leuten, wie es funktioniert."
Aus seiner Sicht: Datenschutzbeauftragte sind nicht primär Verhinderer, sondern Sparringspartner für Lösungen.
Was meint Wagner mit "Datenschutz als Ermöglicher"?
Er sieht Datenschutz nicht als Verhinderer von Innovation, sondern als Mittler, der sicherstellt, dass neue Technologien und Prozesse die Rechte der Bürgerinnen und Bürger respektieren. Damit wird Datenschutz zum Teil der Lösung, nicht zum Hindernis.
Wann ist "geht nicht wegen Datenschutz" laut Wagner ein Vorwand?
Wenn Behörden oder Unternehmen Datenschutz pauschal als Begründung anführen, ohne konkret zu prüfen, ob die Norm wirklich blockiert. Wagner beobachtet, dass das Argument oft genutzt wird, um eigenes Organisationsverschulden zu kaschieren.
Was ist Wagners Rolle dabei?
Als Jurist, TÜV-Dozent und Unternehmer (LexGeneralis-Datenschutzconsulting auf Sylt) sieht er sich als Sparringspartner für Behörden und Unternehmen. Er sucht nach Lösungen, statt Verbote auszusprechen.
Gilt Wagners Position auch für KI-Themen?
Ja. Wagner argumentiert, dass auch beim Einsatz von KI-Anwendungen der Datenschutz als Mittler funktionieren kann. Sein Beispiel im Podcast: nicht das Mailpostfach an ChatGPT anbinden, aber datenschutzkonforme Alternativen finden.
Den vollständigen Podcast mit Stephan Wagner gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.
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