Manuel Landauer, KI-Beauftragter Stadt Schorndorf, im Ehrenbehörde-Podcast: Warum jede Kommune einzeln nach KI-Lösungen sucht und welche Alternative er sieht.

Manuel Landauer ist Abteilungsleiter Digitalisierung und KI-Beauftragter der Stadt Schorndorf. Seit dreieinhalb Jahren in der kommunalen Welt unterwegs, beobachtet er ein wiederkehrendes Muster: Wenn es um Künstliche Intelligenz geht, agiert jede Kommune für sich.
"Künstliche Intelligenz kann uns in ganz vielen Bereichen wahnsinnig die Arbeit erleichtern und tatsächlich auch unterstützen. Und warum schaffen wir es nicht, dass wir eine Infrastruktur schaffen, wo alle Kommunen darauf zugreifen können und eben eine datenschutzkonforme KI nutzen?"
Stattdessen, sagt Landauer, läuft es so:
"Jede Kommune rennt selber los, sucht sich irgendwelche eigenen Lösungen, irgendwelche Angebote, Möglichkeiten und so weiter."
Aus Landauers Sicht ist diese Parallelität nicht nur ineffizient, sondern auch teuer.
"Unterm Strich, wenn man mal den Gesamtsteuertopf betrachtet, kommt es sicherlich deutlich teurer, wie wenn man einmal zentral sagt: Hier gibt es entsprechende Infrastruktur, hier werden entsprechende Sprachmodelle gehostet und dann gibt es einfach einen datenschutzkonform geregelten Zugriff für alle Behörden."
Sein Argument: Wenn 11.000 deutsche Kommunen jeweils ihre eigene KI-Lösung suchen, erproben, einkaufen und betreiben, vervielfacht sich der Aufwand auf staatlicher Ebene. Eine zentrale Lösung wäre günstiger pro Kommune und insgesamt.
Der Vorschlag ist nicht radikal, aber konsequent:
"Föderalismus, ja schön und gut, sicherlich in einigen Teilen auch sinnvoll, aber ich denke, so eine grundlegende Infrastruktur würde ja schon Sinn machen, wenn das vom Bund runtergebrochen einfach vorgegeben wird."
Konkret meint er: Eine zentrale, datenschutzkonform geregelte KI-Plattform mit gehosteten Sprachmodellen, auf die alle deutschen Behörden zugreifen können. Bund oder Land als Anbieter, Kommunen als Nutzerinnen und Nutzer.
Landauer reflektiert diese Frage selbstkritisch:
"Wahrscheinlich stelle ich es mir viel zu einfach vor, ansonsten müsste es ja irgendwie funktionieren. Ich kann nicht der Einzige sein, der auf so eine Idee kommt. Da gibt es bestimmt auch irgendwo in einem Ministerium oder in sonstigen Institutionen jemanden, der schon mal darüber nachgedacht hat."
Er gibt damit zu, dass Föderalismus, kommunale Selbstverwaltung und politische Strukturen Gründe haben, warum eine schnelle zentrale Lösung selten ist. Aber er beharrt auf der Frage: Warum funktioniert es trotzdem nicht?
Bemerkenswert: Landauer ist nicht primär Kritik-Stimme, sondern lobt zugleich die kommunale Realität.
"In der aktuellen Haushaltslage, wo alle Kommunen ja dazu gezwungen sind, zu sparen und alle Projekte zu streichen, kommt trotzdem noch wahnsinnig viel auf die Straße. Wir haben in den Kommunen wahnsinnig innovative Menschen, die wirklich super tolle Ideen haben und richtig gute Dinge auf die Straße kriegen."
Sein Punkt: Trotz fehlender zentraler Infrastruktur passiert in den Kommunen viel Gutes. Der Vorschlag der zentralen KI-Plattform soll diese kommunale Energie nicht ersetzen, sondern entlasten.
Da die zentrale Lösung nicht von oben kommt, leitet er eine pragmatische Empfehlung ab:
"Da ist es tatsächlich auch ein Stück weit an uns Kommunen selber gelegen, dass wir gucken, wie wir Synergieeffekte schaffen, wie wir Zusammenarbeit schaffen und das letztlich auch über die Community regeln."
Das ist die zweite Säule seiner Position: Wenn Bund oder Land nicht zentralisieren, sollten Kommunen sich selbst vernetzen und gegenseitig befähigen.
Was meint Landauer mit "KI-Süppchen"?
Eine bildhafte Beschreibung dafür, dass jede Kommune einzeln eigene KI-Lösungen sucht, einkauft und betreibt, statt eine gemeinsame Infrastruktur zu nutzen. Aus seiner Sicht ist das ineffizient und teuer.
Wie würde eine zentrale KI-Infrastruktur konkret aussehen?
Aus seiner Sicht: Bund oder Land stellt datenschutzkonform gehostete Sprachmodelle bereit. Alle Kommunen erhalten geregelten Zugriff. So muss nicht jede Kommune einzeln Lösungen testen, einkaufen und betreiben.
Ist Landauer gegen den Föderalismus?
Nein. Er sagt klar: "Föderalismus ist sicherlich in einigen Teilen sinnvoll." Sein Punkt ist aber, dass bei grundlegender Infrastruktur eine zentrale Vorgabe Sinn machen würde.
Was sollen Kommunen tun, solange es keine zentrale Lösung gibt?
Aus seiner Sicht: sich gegenseitig vernetzen, Synergien schaffen, Wissen teilen. Die Community soll den Mangel an zentraler Infrastruktur abfedern.
Den vollständigen Podcast mit Manuel Landauer gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.
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