Leitfaden

Wie Hessen 400 Kommunen gleichzeitig live schaltete

Hessen hat den Quick-Check-Bauantrag für über 400 Kommunen gleichzeitig live geschaltet. Katja Kümmel im Ehrenbehörde-Podcast über Entstehung und Modell.

Key Takeaways

  1. Hessen hat einen Quick-Check-Bauantrag mit einem Startup entwickelt und für mehr als 400 Kommunen gleichzeitig live geschaltet, ohne dass die Kommunen einzeln entscheiden mussten.
  2. Der Weg dahin: ein Ideenwettbewerb 2022, eine Realisierungsphase mit ausgeschriebenem Startup und ein anderer Kommunikations-Ansatz als bei vorherigen Projekten.
  3. Katja Kümmel beschreibt das Aha-Erlebnis: Erst als sie selbst zu Hause auf der Couch ihre Heimat-Kommune Rödermark im System fand, wurde ihr die Wirkung greifbar.

Worum es geht: der Quick-Check-Bauantrag

Katja Kümmel ist stellvertretende Leiterin der Zentralabteilung im Hessischen Wirtschaftsministerium und leitet eine Gruppe für Digitalisierung, IT-Sicherheit und Datenschutz. Im Ehrenbehörde-Podcast beschreibt sie, wie Hessen den Quick-Check-Bauantrag entwickelt und ausgerollt hat:

"Wir haben gerade live gesetzt einen sogenannten Quick-Check-Bauantrag. Gemeinsam entwickelt mit Startups, gemeinsam entwickelt auch mit unserem Fachbereich. Das war ein ganz spannendes Vorhaben."

Wie das Projekt entstand: ein Ideenwettbewerb 2022

Der Startpunkt war ein Wettbewerb:

"Aus dem Gedanken heraus, welche Probleme haben wir in der Verwaltung, die gemeinsam mit Startups einer einfachen Lösung zugeführt werden könnten, haben da einen Wettbewerb ausgeschrieben, da konnten sich Startups bewerben."

Dann ging es weiter:

"Wir haben zuerst mit unseren Fachbereichen diese Probleme evaluiert, dann wurde der Wettbewerb ausgeschrieben, dann wurden Lösungsszenarien gesucht und zwei der Vorhaben, die wir dann hatten, und eins war der Quick-Check-Bauantrag, die haben wir dann tatsächlich mit einem wieder ausgeschriebenen Startup realisiert."

Die Realisierungsphase lief 2025. Dann ging das Tool live.

Der Unterschied: nicht fragen, sondern live schalten

Bei früheren Projekten hatte Hessen Kommunen einzeln gefragt, ob sie mitmachen wollen. Beim Quick-Check-Bauantrag hat das Land bewusst einen anderen Weg gewählt:

"Wir haben hier nicht gefragt, wer will. Sondern wir haben gesagt, das ist ein Tool, das läuft, und wir schalten das jetzt für über 400 Kommunen in Hessen live. Und ihr braucht nicht mehr zu tun, als zu sagen: Ach übrigens, ich bin jetzt auch dabei, und es in eure Internetpräsenz einzubinden. Damit ist es live."

Aus Kümmels Sicht ist das eine wichtige Verschiebung. Statt jedes Mal politisch verhandeln zu müssen, ob eine Kommune mitmacht, ist die Lösung schon da. Die Kommunen müssen sie nur einbinden.

Der Couch-Moment: persönliche Betroffenheit als Aha-Erlebnis

Eine besondere Geschichte aus dem Podcast: Katja Kümmel hat das Vorhaben als Leiterin begleitet. Aber die wirkliche Wirkung wurde ihr erst klar, als sie selbst zu Hause war.

"Ich saß dann am Wochenende, nachdem das live gegangen war, zu Hause mit meiner Familie auf der Couch und hatte den Gedanken: Hat meine Heimatkommune eigentlich live geschaltet? Bin ins Netz, bin auf die Seite meiner Kommune."

Sie fand die Lösung in Rödermark. Ihr Mann reagierte sofort:

"Mein Mann sagte: Wir haben noch keine Gartenhütte, dann gib doch mal ein, wie ist denn das, wenn wir uns das Modell aussuchen?"

Kümmel zieht daraus eine grundlegende Schlussfolgerung:

"Das ist die persönliche Betroffenheit. Wenn das schon so ist, wenn man das selber macht, wie ist es denn dann bei allen anderen, die viel weiter weg sind?"

Kommunikation als Schlüssel: Die Kommune muss mitmachen

Aus Kümmels Sicht reicht es nicht, dass das Land eine Lösung anbietet. Damit sie auch genutzt wird, muss die Kommune vor Ort kommunizieren:

"Wenn eine Kommune von sich aus sagt: Ich will das haben, dann kann auch die Kommune für sich dafür werben und sagen: Wir haben das jetzt. Und es bringt der Kommune einen unmittelbaren Vorteil, wenn sie das macht, weil sie kriegt weniger Anrufe. Beispielsweise zur Frage: Ich möchte eine Gartenhütte bauen, brauche ich denn einen Bauantrag?"

Der Mehrwert für die Kommune ist also doppelt: weniger Anrufe in der Verwaltung, mehr Service für Bürgerinnen und Bürger.

Was andere Behörden daraus mitnehmen können

Aus Kümmels Beschreibung lassen sich drei Punkte ableiten, die für andere Behörden interessant sein könnten:

  • Ideenwettbewerbe als Einstieg. Hessen hat mit der Frage gestartet, welche Verwaltungs-Probleme sich gemeinsam mit Startups lösen lassen.
  • Lösungen müssen nicht für jede Kommune einzeln verhandelt werden. Der Live-Schalter für 400 Kommunen zeigt, dass auch andere Wege funktionieren.
  • Die Kommune vor Ort ist die Multiplikatorin. Bürgerinnen und Bürger erfahren von neuen Diensten am ehesten dort, wo sie vor Ort interagieren.

Häufige Fragen

Was ist der Quick-Check-Bauantrag?
Ein digitales Tool, mit dem Bürgerinnen und Bürger in Hessen schnell prüfen können, ob ihr Bauvorhaben einen formalen Bauantrag braucht oder nicht. Typisches Beispiel: eine kleine Gartenhütte.

Wie ist das Tool entstanden?
Aus einem Ideenwettbewerb 2022, in dem Startups Lösungen für Verwaltungs-Probleme vorschlagen konnten. Zwei davon wurden realisiert, einer ist der Quick-Check-Bauantrag.

Wie viele Kommunen sind dabei?
Über 400 hessische Kommunen sind gleichzeitig live geschaltet worden. Sie müssen das Tool nur in ihre Internetpräsenz einbinden, dann ist es bei ihnen aktiv.

Was bringt das den Kommunen?
Weniger Anrufe in der Verwaltung mit Standardfragen, plus ein Service-Angebot, das Bürgerinnen und Bürger ohne Behördentermin nutzen können.

Die ganze Folge anhören

Den vollständigen Podcast mit Katja Kümmel gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.

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Dec 12, 2025
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Dec 12, 2025