Leitfaden

Open Source in Behörden: Was es ist und warum es relevant wird

Was Open Source für Behörden bedeutet, welche Vorteile es bietet und wie Open Desk als konkretes Beispiel den Arbeitsplatz der öffentlichen Verwaltung verändert.

Key Takeaways

  1. Open Source bedeutet Software, deren Code öffentlich einsehbar ist und nachgenutzt werden kann.
  2. Für Behörden hat Open Source zwei zentrale Vorteile: nachvollziehbare Sicherheit und digitale Souveränität.
  3. Mit Open Desk gibt es bereits eine konkrete Open-Source-Alternative für den Behörden-Arbeitsplatz. Knapp 80.000 Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg arbeiten täglich damit.

Was Open Source eigentlich ist

Open Source ist ein einfaches Konzept, wird aber oft als komplex wahrgenommen. Alexander Smolianitski, verantwortlich für Produkte und Delivery beim ZenDiS (Zentrum für digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung), erklärt es im Ehrenbehörde-Podcast so:

"Open Source beschreibt Software, bei der man reinschauen kann unter die Oberfläche und nachvollziehen kann, wie sie aufgebaut ist, wo es vielleicht Sicherheitslücken gibt und wie die Daten von links nach rechts sich bewegen. Am Ende des Tages ist Software Software, dieselbe Programmiersprache, die alle anderen benutzen. Der Unterschied bei Open Source ist, dass man das Ganze auf Plattformen teilt, sodass jeder reinschauen kann und das auch nachnutzen kann."

Vereinfacht: Wer Open-Source-Software baut, veröffentlicht den Bauplan. Andere können den Bauplan ansehen, prüfen und für eigene Zwecke nutzen. Plus: Open Source ist in der Regel kostenfrei.

Warum Open Source für Behörden relevant wird

Smolianitski arbeitet im Gespräch drei Hauptargumente heraus.

Erstens: Sicherheit lässt sich überprüfen. Bei klassischer (proprietärer) Software müssen Behörden dem Anbieter vertrauen, dass keine Hintertüren existieren und Sicherheitslücken zeitnah geschlossen werden. Bei Open Source kann das jede:r überprüfen.

"Der Unterschied bei einer proprietären Anwendung gegenüber einer Open-Source-Anwendung ist, dass bei einer proprietären man diesen Fehler identifiziert haben kann, aber niemand anders es weiß, weil niemand anders in die Software reinschauen kann."

Zweitens: Digitale Souveränität. Behörden, die proprietäre Software einsetzen, sind langfristig vom Anbieter abhängig. Preise, Lizenzbedingungen, Cloud-Standorte und Verfügbarkeit können sich ändern. Open Source ermöglicht es, die Software unabhängig vom ursprünglichen Anbieter weiter zu betreiben.

Drittens: Vergabe-Erleichterung. Open-Source-Tools können oft ohne langen Vergabeprozess eingesetzt werden. Smolianitski:

"Allein dieses Vergabethema loszuwerden, allein dafür kann man schon mal allen Leuten sagen: Guckt euch das an und macht mal."

Was viele über Open Source nicht wissen

Smolianitski entkräftet im Podcast zwei verbreitete Missverständnisse.

Mythos 1: Open Source ist nur etwas für Tech-Nerds. Tatsächlich nutzt fast jedes große Unternehmen Open Source als Basis für eigene Produkte. Auch in Deutschland gibt es eine etablierte Open-Source-Wirtschaft mit mittelständischen Unternehmen, die Geld mit Anpassung und Support verdienen.

Mythos 2: Open Source ist weniger sicher. Im Gegenteil, sagt Smolianitski. Bei Open-Source-Software gibt es eine Community und Tools, mit denen Sicherheitslücken offen identifiziert und behoben werden. Bei proprietärer Software erfährt man von Lücken oft erst, wenn der Anbieter selbst kommuniziert.

Open Desk als konkretes Beispiel

ZenDiS entwickelt mit Open Desk eine Open-Source-Alternative zum klassischen Office-Paket. Im Gespräch beschreibt Smolianitski den Ansatz:

"Es ist eine Alternative, was deinen gesamten Arbeitsprozess angeht. Es ist zu kurz gegriffen, wenn man sagt, das ersetzt nur ein Microsoft-Produkt, weil wir auch Wissens- und Projektmanagement tatsächlich haben."

Wer Open Desk bereits nutzt:

  • Knapp 80.000 Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg arbeiten täglich damit
  • Der Internationale Gerichtshof setzt Open Desk produktiv ein
  • Mehrere Bundesbehörden befinden sich aktuell in der Einführungsphase

Was Open Desk besonders macht: Es wurde mit der Verwaltung im Sinn entwickelt. Smolianitski nennt ein konkretes Beispiel aus dem Podcast: Funktionspostfächer, also entpersonalisierte E-Mail-Postfächer für Teams oder Funktionen, wurden in Open Desk gezielt eingebaut, weil das ein typischer Behörden-Bedarf ist. Bei großen Tech-Konzernen so eine Anpassung zu bekommen, sei nahezu unmöglich.

Wording matters: Wie über Open Source gesprochen wird

Eine Beobachtung aus Smolianitskis Praxis. Wenn ZenDiS Open Desk als "Open-Source-Tool" bezeichnete, war die Reaktion zurückhaltend. Sobald sie es als "digital-souveräne Lösung" bezeichneten, änderte sich die Diskussion in den Beamtenstuben.

"Auf einmal entstand eine ganz andere Form von Diskussion und Seriosität in den Beamtenstuben."

Der Inhalt blieb gleich, der Begriff machte den Unterschied.

Häufige Fragen

Was kostet Open-Source-Software?
Die Software selbst ist meist kostenfrei. Kosten entstehen für Anpassungen, Hosting, Support und Schulungen, wenn diese gewünscht oder nötig sind.

Können Behörden Open Source rechtssicher nutzen?
Ja. Es gibt etablierte Lizenz-Modelle und Vertragsstrukturen. Open-Source-Lösungen werden zunehmend in EVB-IT-Verträgen abgebildet, was die Vergabe vereinfacht.

Was ist der Unterschied zwischen Open Source und SaaS?
SaaS (Software as a Service) bedeutet, dass die Software bei einem Anbieter läuft und im Abo genutzt wird. Open Source bezieht sich auf den Quellcode-Status. Beides kann sich kombinieren, muss aber nicht.

Wo finde ich Open-Source-Lösungen für Behörden?
ZenDiS bietet eine zentrale Plattform unter Open Code, auf der Behörden Open-Source-Software finden, herunterladen und nachnutzen können.

Die ganze Folge anhören

Den vollständigen Podcast mit Alexander Smolianitski, ZenDiS, gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.

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Luisa Welink
Community Managerin
Community Managerin von EHRENBEHÖRDE
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Annkathrin
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Seitdem ich Teil des Social Media Fachbereichs bin, fühle ich mich nicht mehr so alleine. Ich weiß jetzt in allen Behörden gibt es Menschen, die genau die gleichen Themen und Probleme haben wie ich.

Social Media
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Stabsstellenleiter

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Dec 12, 2025
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Social Media Managerin

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Dec 12, 2025
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Dec 12, 2025