Leitfaden

Was hinter NOOTS steckt

NOOTS verbindet rund 20.000 deutsche Register, damit Bürgerinnen und Bürger Nachweise nur einmal angeben müssen. Was das System ist und wie es funktioniert.

Key Takeaways

  1. NOOTS steht für "Nationales Once-Only Technical System" und ist die Infrastruktur, die rund 20.000 dezentrale Register in Deutschland miteinander verbindet.
  2. Die staatliche Datenhaltung ist historisch gewachsen und föderal verteilt. Manche Register sind hochmodern, andere arbeiten faktisch noch mit Telefon und Fax.
  3. Erste Live-Anwendung läuft seit Januar 2026 in Tübingen, wo der Bewohner-Parkausweis über NOOTS beantragt werden kann. In ein bis zwei Jahren soll der Rollout deutlich breiter werden.

Wer das sagt und warum das zählt

Dr. Dorothea Wilms arbeitet im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Referat Registermodernisierung und begleitet den Aufbau von NOOTS aus der Informationssicherheits-Perspektive. Das BSI schreibt die technischen Richtlinien, nach denen das System abgesichert wird. Im Ehrenbehörde-Podcast erklärt sie, warum die Aufgabe so groß ist und was sich für Bürgerinnen und Bürger und für die Wirtschaft ändert.

"Größenordnungsmäßig 20.000 Register, in denen die Daten liegen, und die sind halt auch sehr heterogen." Dorothea Wilms

Was NOOTS ist

NOOTS steht für "Nationales Once-Only Technical System". "Once-Only" bedeutet "nur einmal" und ist das Leitprinzip dahinter. Wer einen Antrag stellt, soll Nachweise wie Geburtsurkunden, Einkommensbelege oder Meldebescheinigungen nicht jedes Mal neu hochladen müssen. Der Staat hat diese Daten ohnehin schon. NOOTS ist die Infrastruktur, die Onlinedienste mit den staatlichen Registern verbindet, sodass Nachweise direkt aus der Quelle abgerufen werden können.

Aus Bürgerperspektive heißt das konkret: Wenn jemand einen Kindergeldantrag, einen Kita-Antrag oder eine Schuleinführung beantragt, muss die Geburtsurkunde nicht noch einmal eingescannt und hochgeladen werden. Das System holt sie dort, wo sie ohnehin liegt.

"Der Staat hat diese Nachweise selber ausgestellt und jetzt soll ich eben den sozusagen noch mal einscannen und hochladen. Und das ist ja eigentlich total nervig und auch unverständlich." Dorothea Wilms

Warum es 20.000 Register sind

Die staatliche Datenhaltung in Deutschland ist nicht zentral organisiert. Sie ist über Bund, Länder und Kommunen verteilt und über Jahrzehnte gewachsen. Wilms beschreibt die Spannweite drastisch. Manche Register laufen auf modernen Plattformen, manche bestehen aus Computern, die "beim Bürgermeister unterm Schreibtisch" stehen, und in Einzelfällen gibt es noch analoge Eingabe per Telefon und Ausgabe per Fax.

Diese Heterogenität ist nicht zufällig. Im Papierzeitalter ergab es Sinn, Daten lokal zu halten. Wer in Rostock geboren wurde, hatte seine Geburtsurkunde in Rostock. Eine Zentralisierung hätte gigantische Postwege bedeutet. Mit der Digitalisierung kippt diese Logik. Daten lassen sich heute beliebig schnell abfragen, der Engpass ist nicht mehr die Distanz, sondern die fehlende Kompatibilität zwischen den Systemen.

Eine echte Zentralisierung wird in Deutschland aus politischen Gründen nicht angestrebt. Wilms ordnet das ein: "Wir wollen natürlich in Deutschland keinen Zentralstaat, niemand möchte, dass alle Daten in einem Register liegen und einer auf alles zugreifen kann." Der Föderalismus hat hier seine Funktion als Demokratie-Schutz. NOOTS löst das Problem deshalb anders. Statt die Register zusammenzuziehen, schafft es eine technische Brücke, über die Daten bei Bedarf abgefragt werden, ohne ihre dezentrale Speicherung aufzulösen.

Wer NOOTS baut

Drei Institutionen arbeiten zusammen:

  • Das Bundesverwaltungsamt (BVA) und die FITKO sind die Bauherren des Systems. Sie entwickeln die Architektur und setzen die technischen Komponenten um.
  • Das BSI begleitet das Vorhaben aus Sicherheitssicht. Es schreibt technische Richtlinien, nach denen NOOTS und die Anschlüsse zu den Landesrechenzentren abgesichert werden müssen.
  • Kommunen, Länder und Bund liefern die Register, die angebunden werden.

Wilms beschreibt die Zusammenarbeit als gut funktionierend. "Endlich mal ein System, das eigentlich gut funktioniert, also wo die Zusammenarbeit zwischen uns und dem BVA und der FITKO gut funktioniert. Und das liegt auch im Zeitplan."

Wo NOOTS schon live ist

Der erste praktische Anwendungsfall läuft seit Januar 2026 in Tübingen. Dort können Bewohner-Parkausweise über NOOTS beantragt werden. Der Anwendungsfall ist bewusst klein gewählt, weil es ein Pilot ist. In den nächsten ein bis zwei Jahren soll der Rollout größer werden, und dann werden Schritt für Schritt weitere Register und Onlinedienste angeschlossen.

Was Behördenmenschen davon haben

NOOTS verändert nicht nur die Bürger-Erfahrung, sondern auch den Arbeitsalltag in der Verwaltung. Heute bedeutet die fragmentierte Lage, dass Mitarbeitende doppelt eingereichte Dokumente abgleichen, Rückfragen stellen und manuelle Übertragungen machen müssen. Wenn NOOTS funktioniert, fällt ein Großteil dieser Arbeit weg. Das frei werdende Zeitbudget kann in das gehen, was Verwaltung an ihren besten Tagen kann: Bürgerinnen und Bürger persönlich beraten, Sonderfälle bearbeiten, Ermessensentscheidungen treffen.

Das gilt besonders für Kommunen. Sie tragen den Großteil der Datenhaltung und sind durch den Personalmangel zugleich am stärksten unter Druck. Eine Verlagerung der technischen Last auf Land und Bund nimmt Druck von genau der Stelle, wo die Lage am angespanntesten ist.

Was das praktisch bedeutet

Wenn ihr in einer Kommunal- oder Landesverwaltung arbeitet und euch fragt, was NOOTS konkret heißt, sind drei Punkte relevant:

  • Welche eurer Fachverfahren werden in der nächsten Ausbauwelle relevant? Fragt bei eurem Land oder bei der FITKO nach.
  • Saubere, strukturierte Daten in euren Registern werden mit NOOTS sofort abrufbar. Schlechte Datenqualität blockiert die Anbindung.
  • Die BSI-Richtlinien werden vorgeschrieben sein. Je früher ihr sie kennt, desto besser könnt ihr Ressourcen einplanen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen NOOTS und der EUDI-Wallet?
NOOTS ist die Infrastruktur, die Daten aus staatlichen Registern abruft. Die EUDI-Wallet ist eine App, in der Bürgerinnen und Bürger ihre eigenen Nachweise auf dem Handy halten. Beide ergänzen sich. Was nicht über NOOTS abrufbar ist, kann über die Wallet vorgezeigt werden.

Heißt das, alle Daten landen in einem zentralen System?
Nein. NOOTS ist explizit so gebaut, dass es kein Zentralregister gibt. Die Daten bleiben in ihren Quellregistern, NOOTS ruft sie nur bei Bedarf ab.

Wann kann ich als Bürgerin oder Bürger NOOTS nutzen?
Seit Januar 2026 in Tübingen für Bewohner-Parkausweise. In ein bis zwei Jahren soll der bundesweite Rollout deutlich größer werden, mit weiteren Anwendungsfällen.

Was passiert mit Menschen, die nicht digital unterwegs sind?
Das Zielbild sieht vor, dass Kommunen die Vor-Ort-Beratung übernehmen. Wer keinen Onlineantrag stellen will oder kann, geht ins Bürgerbüro. Die Bearbeitung dahinter läuft trotzdem digital.

Die ganze Folge anhören

Den vollständigen Talk mit Dorothea Wilms zu NOOTS gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.

Bist du selbst Behördenmensch?

Auf der Plattform für Behördenmenschen kannst du dich mit anderen austauschen, Antworten auf Alltagsfragen finden und Teil einer Community werden, die Wertschätzung für die Verwaltung lebt.

Luisa Welink
Community Managerin
Community Managerin von EHRENBEHÖRDE
Für wen ist das was

Du bist nicht alleine mit deinem Thema.

Stimmen von denen, die schon dabei sind. Aus unterschiedlichen Behörden und Rollen. Was sie verbindet: Alle arbeiten jeden Tag an unserer Demokratie.

Annkathrin
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Seitdem ich Teil des Social Media Fachbereichs bin, fühle ich mich nicht mehr so alleine. Ich weiß jetzt in allen Behörden gibt es Menschen, die genau die gleichen Themen und Probleme haben wie ich.

Social Media
Philipp
Stabsstellenleiter

Die KI-Pflichtschulung von Ehrenbehörde ist klar strukturiert, fachlich fundiert und sofort nutzbar. Da die Schulung komplett digital stattfindet, können alle Kolleginnen und Kollegen ortsunabhängig und in ihrem individuellen Tempo lernen. So entsteht ein einheitliches Wissensniveau bei gleichzeitig rechtssicherer Dokumentation. Aus meiner Sicht der Standard, den Verwaltungen jetzt brauchen.

Dec 12, 2025
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Social Media Managerin

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Das Konzept von EHRENBEHÖRDE ist wirklich einzigartig. Das kann man nur gut finden, weil es endlich das macht, was wir in der Verwaltung am meisten brauchen: voneinander lernen, statt alles alleine neu zu lernen.

Dec 12, 2025
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Personal
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Die KI-Pflichtschulung hat mich positiv überrascht: Sie ist praxisnah, verständlich und auch ohne Vorkenntnisse gut zu bewältigen. Besonders hilfreich finde ich, dass die Inhalte nicht nur auf rechtliche Vorgaben eingehen, sondern auch konkrete Beispiele liefern, wie KI im Behördenalltag sinnvoll und sicher genutzt werden kann. Die Module sind kurzweilig, machen das Thema greifbar und regen zum Weiterdenken an – ein echter Mehrwert für alle!

Dec 12, 2025