Analyse

Digitalisierung auf Augenhöhe in Sachsen-Anhalt

Bernd Schlömer, Staatssekretär für Digitales in Sachsen-Anhalt, im Podcast: Wie das Land mit Kommunen auf Augenhöhe arbeitet und welche Projekte entstehen.

Key Takeaways

  1. Sachsen-Anhalt setzt auf "Augenhöhe" mit den Kommunen statt auf Top-Down-Vorgaben.
  2. Vier konkrete Projekte stehen für diesen Ansatz: das CIO-Projekt, eine Genossenschafts-Mitgliedschaft bei KITU, das Digital-Lots-Modell und der Hundehaltungs-Pilot.
  3. Bernd Schlömer betont: Geld allein reicht nicht. Netzwerke, Austausch und Räume zum Erproben sind genauso wichtig.

Schlömers Ansatz: Mit den Kommunen, nicht über sie

Bernd Schlömer ist Staatssekretär für Digitales in Sachsen-Anhalt und Beauftragter der Landesregierung für Informations- und Kommunikationstechnologie. Im Ehrenbehörde-Podcast beschreibt er den Kern seiner Strategie:

"Wir haben damit angefangen zu überlegen, wie wir gemeinsam mit den Kommunen auf Augenhöhe Verwaltungsdigitalisierung auch gemeinsam betreiben können. Das ist auch ein neuer Ansatz."

Was bedeutet "auf Augenhöhe" konkret? Aus Schlömers Sicht: Das Land bietet, die Kommunen bestimmen mit. Statt Vorgaben gibt es Angebote.

"Wir von der Landesebene wollen mit euch Kommunen ohne Vorbedingungen auf Augenhöhe kollaborativ zusammenarbeiten und geben euch auch Raum, Neues zu verproben."

Vier konkrete Projekte aus der Praxis

1. Das CIO-Projekt: Mit Pilotkommunen den Rollout gestalten

Seit 2023 arbeitet Sachsen-Anhalt mit rund 20 Pilotkommunen zusammen.

"Wir haben dann mit Pilotkommunen, es waren ungefähr 20, zusammen Projektarbeit gemacht. Wir haben dann überlegt, wie können wir eigentlich den Rollout von Fokusleistungen, von Online-Diensten gemeinsam organisieren."

Statt fertige Lösungen vorzusetzen, entstehen die Online-Dienste mit den Kommunen, die sie später selbst nutzen.

2. KITU: Genossenschafts-Mitgliedschaft

Das Land ist Mitglied im kommunalen IT-Dienstleister KITU geworden:

"Wir sind Genosse geworden in einem kommunalen Dienstleister, der kommunalen IT-Union, KITU ist die Kurzbezeichnung."

Das ist ungewöhnlich. Üblicherweise sind solche Genossenschaften ausschließlich kommunal. Mit der Mitgliedschaft signalisiert das Land: Wir arbeiten nicht parallel zu euch, sondern mit euch.

3. Digital-Lots: Mitarbeitende, die durch das Land reisen

Sachsen-Anhalt hat ein Modell aus Sachsen übernommen.

"Wir haben ein Digital-Lots-Modell aus Sachsen kopiert und zur Entfaltung gebracht in Sachsen-Anhalt. Da gibt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jetzt durch Sachsen-Anhalt auf kommunaler Ebene reisen und Hauptverwaltungsbeamte, Bürgermeister, Behörden auf kommunaler Ebene darin unterstützen, die digitale Transformation anzunehmen."

Der Mehrwert: persönlicher Kontakt vor Ort, statt Verordnungen aus Magdeburg.

4. Der Hundehaltungs-Pilot: Bündelung kommunaler Aufgaben

Eine konkrete Initiative aus dem Augenhöhe-Ansatz ist die zentrale Hundehaltung. Klingt klein, ist aber konzeptionell ein Test: Können Aufgaben, die in jeder Kommune gleich erledigt werden, ebenenübergreifend zusammengeführt werden?

"Wir wollen jetzt schon Projektgruppenstatus so weit herbeiführen, dass wir Hundehaltung für die Kommunen an zentraler Stelle durchführen können. Ich bin sehr gespannt, ob das funktioniert."

Geld allein reicht nicht

Ein zentraler Punkt aus dem Gespräch: Schlömer setzt nicht primär auf finanzielle Hilfe, sondern auf Strukturen.

"Im Grunde ist unser Ansatz: Wir organisieren Netzwerke, wir geben Ideen rein, sorgen für Foren, für Austauschformate, sodass die Kommunen ihrerseits Aufgaben besser und gemeinsam erledigen können."

Sein Argument: Wenn Geld die einzige Hilfe wäre, würde es im Verwaltungsalltag versickern, weil die Mitarbeitenden vor Ort keinen Einfluss auf die übergeordnete Mittelverteilung haben. Netzwerke dagegen befähigen die Kommunen direkt.

Was als Nächstes kommt

Schlömer benennt im Podcast eine konkrete nächste Etappe:

"Wir wollen auch eine Institution gründen, die letztendlich gebündelte Aufgaben der Kommunen wahrnimmt. Das wird sich aber, weil wir uns in der Kameralistik im Jährlichkeitsprinzip befinden, noch etwas dauern. Im nächsten Jahr dann."

Ergänzend will Sachsen-Anhalt das Bundes-Sondervermögen voll für Digitalisierung nutzen:

"Wir packen das zusätzliche Geld wirklich zu 100 Prozent im Bereich der Digitalisierung drauf."

Häufige Fragen

Was meint Schlömer mit "Augenhöhe"?
Das Land bietet Strukturen an (Netzwerke, Foren, Pilotprogramme), aber die Kommunen entscheiden mit, was sie nutzen und gestalten. Keine Vorgaben von oben, sondern Kooperation.

Was ist das CIO-Projekt?
Eine seit 2023 laufende Initiative mit etwa 20 sachsen-anhaltischen Pilotkommunen, die gemeinsam den Rollout von Fokusleistungen und Online-Diensten organisieren.

Was ist KITU?
Die kommunale IT-Union, eine Genossenschaft kommunaler IT-Dienstleister. Sachsen-Anhalt ist als Land beigetreten, was eine ungewöhnliche Konstellation darstellt.

Was passiert mit dem Hundehaltungs-Pilot?
Aktuell wird ein Projektgruppen-Status aufgebaut, um Hundehaltung als kommunale Aufgabe zentral durch eine landesweite Stelle zu organisieren. Schlömer ist gespannt, ob das Modell funktioniert.

Die ganze Folge anhören

Den vollständigen Podcast mit Bernd Schlömer gibt es auf YouTube, Spotify und Apple Podcasts.

Bist du selbst Behördenmensch?

Auf der Plattform für Behördenmenschen kannst du dich mit anderen austauschen, Antworten auf Alltagsfragen finden und Teil einer Community werden, die Wertschätzung für die Verwaltung lebt.

Luisa Welink
Community Managerin
Community Managerin von EHRENBEHÖRDE
Für wen ist das was

Du bist nicht alleine mit deinem Thema.

Stimmen von denen, die schon dabei sind. Aus unterschiedlichen Behörden und Rollen. Was sie verbindet: Alle arbeiten jeden Tag an unserer Demokratie.

Annkathrin
Volontärin Social Media

Seitdem ich Teil des Social Media Fachbereichs bin, fühle ich mich nicht mehr so alleine. Ich weiß jetzt in allen Behörden gibt es Menschen, die genau die gleichen Themen und Probleme haben wie ich.

Social Media
Philipp
Stabsstellenleiter

Die KI-Pflichtschulung von Ehrenbehörde ist klar strukturiert, fachlich fundiert und sofort nutzbar. Da die Schulung komplett digital stattfindet, können alle Kolleginnen und Kollegen ortsunabhängig und in ihrem individuellen Tempo lernen. So entsteht ein einheitliches Wissensniveau bei gleichzeitig rechtssicherer Dokumentation. Aus meiner Sicht der Standard, den Verwaltungen jetzt brauchen.

Dec 12, 2025
Marie
Social Media Managerin

Ehrenbehörde ist für mich ehrlicher Austausch und Fortbildung, die mich im Arbeitsalltag wirklich weiter bringt. Luisa und Peter sind stets ansprechbar und helfen mit Rat, neuen Perspektiven und viel Motivation.

Kommunikation
Manuel
KI-Beauftragter

Das Konzept von EHRENBEHÖRDE ist wirklich einzigartig. Das kann man nur gut finden, weil es endlich das macht, was wir in der Verwaltung am meisten brauchen: voneinander lernen, statt alles alleine neu zu lernen.

Dec 12, 2025
Marlo
Bürgermeister

Gerade im Arbeitgebermarketing braucht Verwaltung Mut. Ehrenbehörde bestärkt uns darin, neue Wege zu gehen und kommunale Arbeit zeitgemäß zu präsentieren.

Personal
Sabrina
Sachbearbeiterin

Die KI-Pflichtschulung hat mich positiv überrascht: Sie ist praxisnah, verständlich und auch ohne Vorkenntnisse gut zu bewältigen. Besonders hilfreich finde ich, dass die Inhalte nicht nur auf rechtliche Vorgaben eingehen, sondern auch konkrete Beispiele liefern, wie KI im Behördenalltag sinnvoll und sicher genutzt werden kann. Die Module sind kurzweilig, machen das Thema greifbar und regen zum Weiterdenken an – ein echter Mehrwert für alle!

Dec 12, 2025